Drafi Deutscher ist tot

Drafi Deutscher (* 9. Mai 1946 in Berlin-Charlottenburg als Drafi Richard Franz Deutscher; † 9. Juni 2006 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Sänger, Komponist und Musikproduzent.

Der Sänger, Komponist und Produzent starb im Alter von 60 Jahren in einer Frankfurter Klinik.

Nürnberg/Frankfurt

Das teilte sein Manager Gebhard Rothermich in Nürnberg mit. Seinen größten Erfolg feierte Deutscher 1965 mit dem Evergreen „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Außerdem komponierte er mehr als 200 Lieder für Stars wie Bernd Clüver, Peggy March und Katja Ebstein. Der Mann mit dem Schlapphut schuf für andere Interpreten auch Hits wie „Jenseits von Eden“, „Silver Bird“ und „Mama Leone“.

Deutscher hatte nach einem Kreislaufkollaps mehrere Wochen im Koma gelegen, war erst vor wenigen Tagen am Herzen operiert worden und hatte das Bewußtsein nicht wieder erlangt. Nach Angaben seines Managers erlag er einem akuten Herz- Kreislaufversagen. „Drafi Deutscher ist nach zweiwöchiger Krankheit heute Morgen um 8.30 Uhr friedlich von uns gegangen“, sagte Rothermich der dpa. „Ich bin ganz fassungslos“, erklärte Marcel Just, der Vorsitzende des Drafi-Deutscher-Fanclubs. „Seine Musik hat mich seit Jahrzehnten begleitet.“

Der am 9. Mai 1946 in Berlin geborene Musiker, der mit bürgerlichem Vornamen Karlheinz hieß, durchlebte in seiner Karriere fast alle Höhen und Tiefen. Er wuchs in Heimen auf, jobbte und lebte zeitweise im Obdachlosenasyl. „Erst kommt die Musik, dann kommt lange nichts“, sagte Deutscher einmal. Das galt für ihn schon als 13-Jährigen. Er spielte früh die Hits von Jerry Lee Lewis, Bill Haley und Elvis Presley nach. „Beat-Musik war immer die Braut überhaupt“, sagte er später.

Entdeckt wurde er bei einem Talentwettbewerb 1963. Seine erste Platte „Teeny“ schaffte gleich den Sprung in die deutsche Hitparade. Noch erfolgreicher wurden die nachfolgenden Singles: „Shake Hands“ (1964), „Heute male ich dein Bild, Cindy Lou“ (1965) und „Nimm mich so wie ich bin“ (1966) plazierten sich allesamt unter die ersten zehn der deutschen Verkaufshitparade. Der größte Wurf gelang ihm mit dem Song „Marmor, Stein und Eisen bricht“, der 1965 ein Nummer-eins-Hit wurde und auch heute noch auf vielen Partys gespielt wird. Die englischsprachige Version „Marble Breaks And Iron Bends“ brachte Deutscher als ersten deutschen Interpreten in die US-Charts.

Mehrfach geriet der Musiker wegen privater Tiefschläge ins Straucheln und lieferte mit seinem skandalträchtigen Leben den Boulevardblättern Schlagzeilen. 1966 wurde er beim morgendlichen Aufstehen von Kindern nackt in seiner Wohnung gesehen – und wurde schließlich wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses gerichtlich verurteilt. Erst fünf Jahre später versuchte er ein Comeback mit „Weil ich dich liebe“.

Deutscher verlegte sich von da an hauptsächlich aufs Komponieren: Tina Rainfords „Silver Bird“ wurde 1976 ebenso ein Hit wie ein Jahr später Peggy Marchs „Fly Away Pretty Flamingo“. Im gleichen Jahr schrieb Deutscher der Gruppe Boney M. den Hit „Belfast“, 1978 machte er den Italiener Bino mit „Mama Leone“ zum Star. Mit seiner deutschen Fassung von „Guardian Angel“ baute Deutscher den Newcomer Nino de Angelo zum Star auf: „Jenseits von Eden“ wurde ein Hit.

Für negative Schlagzeilen sorgte dann wieder die Scheidung von seiner zweiten Ehefrau Isabell Varell: Wegen eines Urlaubsvideos bezichtigte er seine Frau, ein lesbisches Verhältnis mit einer TV-Moderatorin zu haben. Die Vorwürfe erwiesen sich als unhaltbar, doch die Ehe ging darüber in die Brüche. Parallel geriet Deutscher wegen angeblicher Steuerschulden ins Zwielicht. Nach zwei Schlaganfällen im Jahr 1998 wurde es um den Künstler, der früher kaum eine Party ausließ, immer stiller. Deutscher hinterläßt zwei Kinder.

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