Sie war weg, schier unglaubliche 19 Jahre einfach fast komplett raus aus dem Musik-Geschäft. Das ist eine zeitliche so gewaltige Lücke, in die passen komplette Karrieren. Bevor es um die Musik der Pop-Diva, dieser schillernden Figur der 80er Jahre und ihr bemerkenswert gelungenes Comeback-Album Hurricane geht, müssen Stichpunkte der androgynen, so distanziert, cool und unnahbar wirkenden Frau abgehakt werden. Immerhin hat die Welt seit dem Erscheinen ihres letzten, nicht so tollen Studioalbums Bulletproof Heart neben gewaltigen Veränderungen auch die Geburt vieler Menschen erlebt, denen der Name Grace Jones kaum etwas sagt. Die streng christliche erzogene Jamaikanerin war ein Bond-Girl (Im Angesicht des Todes), spielte neben Schwarzenegger in Conan der Zerstörer, war als Top-Model in der Elle oder im Vogue zusehen. Sie zog sich für den Star-Fotografen Helmut Newton aus und war im Juli 1985 Titel des Playboy. Nicht zu vergessen ihre klasse Platten wie Nightclubbing und die Fähigkeit, fremden Songs mit ihrem einigartigen Sprechgesang zu veredeln: „Nightclubbing“ von Iggy Pop, „Warm Leatherette“ von Daniel Miller, dem Gründer des Labels Mute, „She’s Lost Control“ von Joy Division oder „Love Is The Drug“ von Roxy Music.
Wie schon in der Vergangenheit versteht sich Grace Jones, deren Geburtsjahr in Biografien zwischen 1948 und 52 schwankt, darauf, gute Leute um sich zu versammeln. Alte Weggefährten wie das legendäre Rhythmus-Duo Sly & Robbie, Tricky, Brian Eno (der eigentlich produzieren sollte, aber nicht wollte), Tony Allen (Fela Kuti, Damon Albarns The Good, The Bad & The Queen) sind dabei, und bei so viel geballter Kompetenz muss einfach ein gutes Album herauskommen. Und genau das ist Hurricane, denn Jones’ Stimme ist immer noch ein Genuss und die vielen Gastmusiker spielen ihr brillant in die Karten. Mit den einleitenden Worten „…this is my voice, my weapon of choice“ geht es los, und dann hauen Sly & Robbie auf dem Opener „Thisis“ ein paar Riddims raus, deren Wucht einem dem Atem verschlägt. Käme davon mehr, Hurricane müsste in Tsunami umbenannt werden. Es bleibt ein Hurrikane, Welle auf Welle rollen satt produzierte Tracks wie das krachende „Corporate Cannibal“ über einen her, die wie nostalgiefreies Updates von Nightclubbing klingen. Man möchte darin aufrecht sehend und voller Freude ersaufen. – Sven Niechziol (Aus der Amazon.de-Redaktion)
Ladies and Gentleman, das legendäre Exzessmonster ist zurück: Nachdem Grace Jones fast 20 Jahre komplett von der Bildfläche verschwunden war, legt sie als 60-Jährige das coolste Album des Jahres vor. Miss Grace Jones hat es gar nicht nötig, sich soundmäßig dem Jetzt anzubiedern, sie setzt einfach ihre eigene Marke – und ist damit als lebendes Gesamtkunstwerk so zeitlos wie zeitgemäß. Für “Hurricane” verbündete sich die Jamaikanerin erneut mit ihren Landsmännern Sly & Robbie, mit denen sie bereits in den 80ern Dub und New Wave auf grandiose Weise fusionierte. Wieder ist Reggae die Grundlage, mit der sie macht, was sie eben will: Mal singt sie im Duett mit ihrer Mutter den Gospelklassiker “Amazing Grace”, dann unterwandern Quietscheentchensounds die maschinengleiche Arbeit der Rhythmussektion, und als steilen Gegensatz zum Sprechgesang und den ins Mikro gehauchten Parolen reißt sie sich mit der sehr intimen Ballade “I’m crying (Mother’s Tears)” plötzlich alle Masken vom Gesicht. Musikgeschichte schreibt Grace Jones allerdings vor allem mit der Übersingle “Corporate Cannibal” – und beschämt damit alle Protestsänger. Denn ihre bedrohliche Unterkühltheit kann es sogar mit dem globalisierten Kapitalismus aufnehmen. (cs)
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