«Da ist wahrscheinlich kein Gott», hätten die Freidenker gerne auch die Zuger informiert: «Also sorg dich nicht. Geniess das Leben.» Der Stadtrat aber hat die Plakataktion auf öffentlichem Grund nun untersagt. Was die persönliche Unglaubensfreiheit freilich unberührt lässt: So wie sich privat jeder ein Kreuz übers Bett hängen oder ein Minarett nebens Sofa stellen darf,
ohne dabei bau- oder sonstige rechtliche Bestimmungen berücksichtigen zu müssen, darf sich natürlich auch ein jeder freier Schweizer die Wände mit der Aussage tapezieren, dass da wahrscheinlich kein Gott sei. Wer jedoch die Dynamik religiöser Grübelzwänge kennt, der darf füglich daran zweifeln, ob der tägliche Anblick dieses Statements tatsächlich die Sorge mindert und den Lebensgenuss steigert. Wenn DA wahrscheinlich kein Gott ist, könnte er doch immer noch DORT sein. Und was heisst «wahrscheinlich»? Besser wäre: «Eine Studie der ETH hat ergeben … » Was aber, wenn ein karrieresüchtiger Jungforscher die Ergebnisse getürkt hätte? Wahrlich, noch mehr Sorgen als Gott macht der Zweifel.
Text: PETER SCHNEIDER in der Sonntagszeitung vom 4. Oktober 2009
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